Kochen und Backen nach Formen und Farben

Kochen und Backen nach Formen und Farben

Der Duft von frisch gebackenem Kuchen im Ofen oder gebrutzeltem Speck in der Pfanne, das gemeinsame Essen mit der ganzen Familie: Von Kindesbeinen an prägen sich Sinneseindrücke und Erlebnisse in unser Langzeitgedächtnis ein. Deshalb sind sie ein wichtiger, aber oft unterschätzter Helfer im Umgang mit demenziell veränderten Menschen. Die Koch und Back-Boxen von ORNAMIN bringen nicht nur leckere Gerichte auf den Tisch, sondern helfen in besonderer Weise der Erinnerung auf die Sprünge.

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Kochen nach Maß.

„Kochen nach Formen und Farben“ ist die Idee, die hinter der Koch- und der Back-Box von ORNAMIN steht. Ulrike Lehnhardt, Hauswirtschaftsmeisterin aus dem Saarland, hat das einzigartige Konzept entwickelt und mit ORNAMIN umgesetzt. „Das gemeinsame Essen mit der Familie, der Geschmack eines Lieblingsgerichts und verlockende Düfte aus der Küche gehören zu unserer Lebensbiographie. Jeder kennt das aus seiner Kindheit. Mit nachlassenden kognitiven und motorischen Fähigkeiten im Alter wird das Kochen und Backen aber immer schwieriger. Zittrige Hände erschweren zum Beispiel das Abmessen und aufgrund der nachlassenden Sehkraft sind sowohl Skalen als auch Rezepttexte sowie zum Teil auch Zutaten schwierig zu erkennen. In Pflegeeinrichtungen verschwindet das Kochen und Backen dann völlig aus dem Alltag der Bewohner.“ Das hat Ulrike Lehnhardt auf einen Gedanken gebracht: Was wäre, wenn man ein System entwickelt, mit dem demenziell veränderte Menschen die Freude am gemeinsamen Kochen und Backen zurückgewinnen? Daraufhin entwickelte die Hauswirtschaftsmeisterin die ORNAMIN Koch- und Back-Box. Sie basiert auf einem System aus Farben und Formen, das schwieriges Abmessen und Abwiegen von Zutaten vereinfacht. In den beiden eigens dafür entwickelten Koch- und Back-Rezeptheften hat Ulrike Lehnhardt leckere und bewährte Klassiker aufgeschrieben. Die Mengenangaben hat sie in das praktische Becher- und Schalen-Maß umgerechnet, das leicht verständlich ist: So muss zum Beispiel die Butter nicht mehr abgewogen werden, sondern wird in einer bestimmten ORNAMIN-Schale dosiert. Wie viel von welcher Zutat benötigt wird, zeigen Rezeptkarten, die die jeweiligen Zutaten, deren Namen sowie die benötigte Menge abbilden. Außerdem zeigen sie, in welchem Becher oder in welcher Schale die Zutat portioniert werden soll. Die Visualisierung hilft der Erinnerung auf die Sprünge: Bild und Wort ergeben zusammen einen stärkeren Sinneseindruck, der im Gedächtnis haften bleibt. Gesellen sich dann noch der Geruch und der Geschmack der frischen Zutaten hinzu, trainiert das alle Sinne. „Mit der Koch- und Back-Box geben wir Menschen mit altersbedingten Handicaps ein Stück ihrer Selbstständigkeit und auch Lebensfreude zurück. Wenn am Ende ein Gericht auf den Tisch kommt, bei dem alle mitgeholfen haben, und es zudem lecker schmeckt, ist das ein tolles Erfolgserlebnis für Menschen mit Demenz“, erklärt die Entwicklerin.

 

Gemeinsam genießen.

Das Kochen und Backen mit den Boxen von ORNAMIN ist eine gesellige Angelegenheit, bei der sich Köche und Bäckerinnen gemeinsam die Schürze umbinden können. Das macht es zu einem idealen Programmpunkt in der Pflege und bei Betreuungsangeboten, Stichwort Aktivtherapie. In der Tagespflege in Hille kommt die Koch- und Back-Box regelmäßig zum Einsatz. Die zwölf Tagesgäste haben jeden Tag ein gut gefülltes Programm. Sie singen, spielen, essen und bewegen sich gemeinsam. Zwei Dinge gibt es in der Tagespflege in Hille ganz bestimmt nicht: Einsamkeit und Langeweile. Auf dem Speiseplan stehen heute Apfel-Zimt-Kuchen und Linsensuppe – zwei Klassiker der deutschen Küche, die alle von früher kennen. Im Gegensatz zu vielen anderen Programmpunkten in Pflegeeinrichtungen bezieht die Koch- und Back-Box die Anwesenden aktiv mit ein: Sie schneiden Gemüse, portionieren Mehl, schlagen Eier auf und rühren Kuchenteig. Je nach Möglichkeit helfen die Bewohner ganz eigenständig mit oder werden von erfahrenen Pflegekräften angeleitet. Wenn das Messer nicht mehr ganz so sicher in der Hand liegt oder diese beim Halten des Bechers zittert, helfen die Pflegerinnen in der Tagesstätte Hille und geben Acht, dass nichts daneben geht. „Statt den Bewohnern das Gefühl zu geben, dass sie viele alltägliche Dinge, wie das Schneiden eines Apfels, nicht mehr eigenständig erledigen können, erhalten sie die nötigen Hilfestellungen, um die Aufgaben doch selbst bewältigen zu können“, erklärt Ulrike Lehnhardt. Die Botschaft dieser aktivierenden Therapie für Demenz-Patienten ist entscheidend für ihr Wohlbefinden. Die vertrauten Aktivitäten vermitteln Sicherheit, Geborgenheit und ein Zuhause-Gefühl.

 

Lust auf Genuss.

Häufig ist es in Pflegeeinrichtungen Alltag, das Essen liefern oder in Kantinen zubereiten zu lassen. Das ist einerseits eine sinnvolle und kostengünstige Praxis, denn so bleibt mehr Zeit für andere Aufgaben. „Andererseits entfernt es die Bewohner der Pflegeeinrichtungen von der Zubereitung des Essens“, erklärt Ulrike Lehnhardt. „Düfte, Gerüchte, haptische Sinneseindrücke und der Bezug zu den verarbeiteten Produkten geht verloren.“ Dabei können gerade Gerüche und die aktive Zubereitung der Speisen die Lust am Essen wecken. „Basale Stimulation“ lautet der Fachbegriff dafür, erklärt Frau Lehnhardt. Sie kann dabei helfen, Mangelernährung und Gewichtsverlust im Alter vorzubeugen. Denn wer kann schon dem Duft eines frisch gebackenen Kuchens widerstehen? Und wer nascht nicht gerne beim Backen und Kochen ein bisschen vom Kuchenteig oder vom selbst geschnittenen Obst oder Gemüse?

 

Kuchenbäcker im hohen Alter.

Einer der fleißigen Kuchenbäcker in der Tagespflege in Hille ist Joachim Lachmann. Der 92-jährige Mindener hat in seinem Leben noch nie selbst Kuchen gebacken – aber es gibt immer ein erstes Mal. Als Kind hat er seiner Mutter oft beim Kochen und Backen zugeschaut. Heute sitzt er selbst vor Zucker, Eiern, Butter und Mehl. Aus den Zutaten soll später ein Zimtgraf-Kuchen mit Äpfeln entstehen. Der 92-Jährige lebt zuhause, kommt aber tageweise in die Tagespflege in Hille, wo er immer in Gesellschaft ist und ein abwechslungsreiches Programm auf ihn wartet. Seine Aufgabe beim gemeinsamen Kuchenbacken ist das Zerstückeln der Butter. Obwohl er sich nie zuvor selbst als Kuchenbäcker ausprobiert hat, kennt er sich gut aus: „Da muss Zitrone dran, sonst werden die Äpfel braun!“, rät er seiner Sitznachbarin, die das Zerkleinern der Äpfel in Angriff genommen hat. ORNAMIN wünscht den Köchen und Köchinnen in Hille guten Appetit und weiterhin viel Freude beim gemeinsamen Kochen und Genießen!

Ulrike Lehnhardt

Pflege mit Köpfchen: Ulrike Lehnhardt entwickelte die einzigartige Koch- und Back-Box gemeinsam mit ORNAMIN.

 

Butter, Zucker, Mehl

Butter, Zucker, Mehl: Das gemeinsame Backen hilft der Erinnerung auf die Sprünge.

 

Volle Konzentration

Volle Konzentration: Joachim Lachmann probiert sich zum ersten Mal in seinem Leben als Kuchenbäcker.

 

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