Filmplakat - Kleine graue Wolke
Leben mit MS

Eine „Kleine graue Wolke“ am blauen Himmel

Manche Dinge im Leben sind nicht plan- oder kontrollierbar. Sie passieren einfach, oft haben dabei Zufall oder Schicksal die Finger mit im Spiel. Die Entwicklung von ORNAMINs lebensfrohem Familiengeschirr beruht zum Beispiel auf einem solchen Zufall: Ohne die bunte Einfärbung einer Schnabeltasse für einen Messebesuch wäre die Idee des Familiengeschirrs vielleicht nie auf den Tisch gekommen. Bei der 29-jährigen Sabine Marina war es die Diagnose MS, die ihr Leben erst einmal auf den Kopf stellte – und dann dazu führte, dass sie einen Film über die Krankheit und das Leben mit ihr drehte. Am 24. September läuft der Film „Kleine graue Wolke“ deutschlandweit in den Kinos an. Zwischen Presseterminen und anderen Projekten treffen wir Sabine in Hamburg für ein Gespräch über ihren Film, das Leben mit MS und Ornamin.

 
„Eine unsichtbare Krankheit sichtbar machen“

2011 bemerkte Sabine zum ersten Mal länger andauernde Sehstörungen und ein Kribbeln in Fingern und Füßen. Im August suchte sie einen Arzt auf. Als dieser von einer „kleinen grauen Wolke“ spricht, die an ihrem blauen Horizont aufzieht, meint er die Krankheit Multiple Sklerose. Bei MS, so die Kurzform, handelt es sich um eine chronisch entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, also von Gehirn und Rückenmark, deren Ursache bis heute nicht geklärt ist. Überwiegend junge Erwachsene, mehrheitlich Frauen zwischen 20 und 30 Jahren, sind von MS betroffen. Weil die Krankheit unzählige Erscheinungsformen kennt und kaum ein Fall dem anderen gleicht, ist MS auch als „Krankheit der tausend Gesichter“ bekannt. Die häufigsten Symptome sind Sehstörungen, Gefühlsstörungen, Nervenschmerzen und Muskellähmungen, die meist schubweise eintreten und die Betroffenen unterschiedlich stark einschränken. Eine von außen unsichtbare Krankheit zu begreifen, fordert die Fantasie heraus: „Wenn ich überlege, was in meinem Körper vor sich geht, stelle ich mir eine Horde kleiner Monster vor, die Hunger auf Nervenbahnummantelungen haben“, erzählt Sabine lachend. Zum Zeitpunkt der Diagnose war sie 25 Jahre alt und studierte im 4. Semester Medienproduktion. „Am Anfang habe ich einige Blogs gelesen, weil ich mehr darüber wissen wollte, welche Unbekannte so ungefragt in mein Leben eingezogen ist und was sie mit mir macht. Aber viele Texte im Netz haben mich verstört oder deprimiert. Aus der Suche nach einem anderen, lebensbejahenden Blickwinkel auf das Leben mit MS ist mein Blog „Kleine graue Wolke“ und die Idee zum gleichnamigen Film entstanden. Ich wollte herausfinden, ob der Arzt recht hat, und ob MS wirklich nur diese kleine graue Wolke an meinem Himmel sein kann.“ Man sieht dir doch gar nichts an, das wird bestimmt wieder sind Worte, die MS-Betroffene oft hören. Mit ihrem Film, der am 24. September in deutschen Kinos anläuft,  hat Sabine einen Entschluss gefasst: „Ich will eine unsichtbare Krankheit sichtbar machen. Das ist mein Ziel.“

 

Heiter bis wolkig

Kein Himmel ist immer nur blau. „Nur weil mein Blog und mein Film eine positive Lebenseinstellung spiegeln, heißt das nicht, dass ich Themen wie Depression oder Niedergeschlagenheit verschweige. So ist das Leben einfach, egal, ob man MS hat oder nicht“, erzählt die 29-Jährige. Auf ihrem Blog geht es um Hochs und Tiefs, berufliche Projekte und private Erlebnisse, Schokolade und MRTs, um die großen Themen des Lebens und die kleinen Themen des Alltags. Einen Kinofilm zu produzieren, der viel Persönliches preisgibt, ist kein Klacks, der sich nebenbei erledigt. Zwischen Idee und Filmstart am 24. September liegen knapp zweieinhalb Jahre – eine Zeit, in der sich auch Zweifel breit machten, wie Sabine im Gespräch mit Ornamin berichtet: „Ich habe mich zwischendurch gefragt, ob der Film für Außenstehende nicht zu uninteressant und für MS-Betroffene zu unkonkret sei, ob er visuell ansprechend wirkt, ob ich alles wieder genauso machen würde. Das ist die echte Herausforderung an der Regie: Man muss sein Selbstvertrauen in die eigenen künstlerischen Entscheidungen wahren. Heute freue ich mich darauf, den fertigen Schnitt endlich auf der großen Leinwand zu sehen und bin stolz darauf, was aus einer kleinen Idee gewachsen ist.“

 

Uneingeschränkt genießen

Einschränkungen beim Essen und Trinken sind für Sabine aktuell noch kein Thema. „Im Moment stelle ich mir mehr die Frage Was soll ich essen?  statt Wie soll ich essen?, denn auf eine gesunde Ernährung sollte man bei MS besonders achten.“ Im Alltag verzichtet Sabine auf rotes Fleisch und weitgehend auf industriell hergestellte Zucker- und Weizenprodukte. Ab und zu gönnt sie sich ein Stück Schokolade mit hohem Kakaoanteil. „Der Begriff Nervennahrung bekommt bei MS-Patienten gleich nochmal eine andere Bedeutung“, fügt sie schmunzelnd hinzu. Sabine scheut sich aber auch nicht, über die Frage des Wie nachzudenken. Sollte ein MS-Schub einmal motorische Einschränkungen bei Händen und Fingern mit sich bringen, möchte sie schon vorher wissen, welche unauffälligen Alltagshelfer das Genießen leichter machen können. „Die Tricks des Familiengeschirrs von ORNAMIN sind einleuchtend und ungewöhnlich nah am Leben. Sie sorgen dafür, dass Handicaps am Esstisch weitestgehend unsichtbar bleiben und die Freude am Essen und Trinken nicht verloren geht. Es tut gut, zu wissen, dass sich Ornamin Gedanken über die Handicaps macht, die das Leben vieler MS-Betroffener bestimmen, und alltagstaugliche Lösungen dafür entwickelt, die nicht stigmatisieren“, findet die Hamburgerin.

Wir von Ornamin freuen uns schon darauf, die „Kleine graue Wolke“ im Kino zu sehen und wünschen Sabine viel Freude in dieser aufregenden Zeit.

Alle weiteren Infos zu Sabines Film „Kleine graue Wolke“ sowie Kinotermine gibt es hier:

http://www.wfilm.de/kleine-graue-wolke/

 

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Sabine Marina, 29, hat einen Film über die Krankheit MS gedreht. „Kleine graue Wolke“ ist ab 24. September auf Leinwand zu sehen.

 

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Voller Einsatz: Beim Dreh zu „Kleine graue Wolke“ arbeiteten zwischen drei und dreißig Männer und Frauen mit.

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