barrierefreie perspektive

Echte Entwicklungsarbeit

Barrierefreie Perspektiven

Eine Ausbildung zum Technischen Produktdesigner ist für die meisten Psychologie-Absolventen auf den ersten Blick keine spannende Berufsperspektive – aber Philip Möhle ist ja auch nicht wie die meisten. Seit Oktober letzten Jahres gehört der Auszubildende zum Entwicklungsteam von Ornamin. Hier wird dem Rollstuhlfahrer auf Augenhöhe begegnet und er wird buchstäblich auf Händen getragen.

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Investition für Inklusion

Die Zahl 172 hat für Philip Möhle eine besondere Bedeutung. Sie gibt die Zahl der Bewerbungen an, die der 28-Jährige geschrieben hat. Ein Studium in Psychologie, sechs Jahre studienbegleitende Berufserfahrung als Systemadministrator und eine einjährige Tätigkeit als 3D-Designer in einer Mediaagentur – so sieht das Bewerberprofil des technikaffinen Philip Möhle aus. „An Qualifikationen hat es nicht gemangelt, aber am Wollen und Können der Arbeitgeber, mich mit meiner körperlichen Behinderung einzustellen“, beschreibt Philip Möhle die zähe Bewerbungsphase. Auch bei seinem jetzigen Arbeitgeber Ornamin war man zunächst nicht auf die speziellen Bedürfnisse des Rollstuhlfahrers vorbereitet, als dieser vor einem Jahr Kontakt zu Geschäftsführer Dr. Holger von der Emde aufnahm. „Seine Bewerbung, das persönliche Kennenlernen und der Eindruck während seines Kurzpraktikums zeigten, dass es sich bei Herrn Möhle um einen sehr interessanten Kandidaten handelt, den wir gerne einstellen wollten“, fasst Holger von der Emde seine Entscheidung für den Auszubildenden zusammen. Ohnehin hatte sich das Unternehmen zum Ziel gesetzt, das gesellschaftsrelevante Thema Inklusion auch personalpolitisch zu berücksichtigen und Menschen mit Handicap einzustellen. Im Bereich der Produktentwicklung gehört das Thema Inklusion schon lange mit dazu: Bei Ornamin wird Geschirr mit dem Ziel entwickelt, alle an einen Tisch zu bringen – ob jung, alt, mit Handicap oder ohne.   

Mit der Entscheidung für Philip Möhle wurde der Prozess nun beschleunigt. Die Umrüstung der Sanitäranlagen ließ sich fristgerecht zum Ausbildungsstart umsetzen, die architektonischen Anpassungen für einen barrierefreien Zutritt zum Arbeitsplatz im ersten Stock nicht. „Deshalb werde ich noch übergangsweise von meinen Kollegen täglich die Treppe rauf und runter getragen“, berichtet Philip Möhle. Für den Azubi keine ungewohnte Situation, denn schon zu Unizeiten wurde das Hindernis Treppe auf unkonventionelle Art und Weise überwunden, wenn z. B. eine Party in den oberen Etagen des Studentenwohnheims stieg. „Ich kann Hilfe gut annehmen und weiß, dass sie bei Ornamin gern gegeben wird.“ Diese Übergangslösung ist für Philip Möhle ein gegenseitiges Zeichen dafür, wie sehr die Zusammenarbeit von allen Seiten gewünscht wird. Nicht zuletzt deshalb fühlt er sich beim Arbeitgeber Ornamin mit seinem Credo ‚People first – Der  Mensch zuerst‘ gut aufgehoben. „Als mittelständisches Familienunternehmen treffen wir Entscheidungen nicht nur aus Gründen der Kosteneffizienz, sondern auch aus Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und besonders gegenüber den Menschen in unserem direkten Umfeld. Investitionen in unsere Mitarbeiter zahlen sich aus und wirken im besten Fall lebenslang nach“, beschreibt der Geschäftsführer das Richtmaß seiner Personalentscheidungen.

 

praktische loesungen

Praktische Lösungen – finden Philip Möhle und seine Kollegen bei Ornamin

Kommunikation statt Konflikte

Auf Kommunikations- und Teamfähigkeit wird bei Ornamin viel Wert gelegt. Auch in diesen beiden Punkten kann Philip Möhle überzeugen, weiß sein Ausbilder Matthias Drees. Sein Ansatz für einen unkomplizierten Umgang: Miteinander reden hilft. „Unsicherheiten in dieser neuen Situation werden von allen offen angesprochen“, berichtet Matthias Drees. Dabei ist sich das Team der Entwicklungsabteilung bewusst, dass für den neuen Kollegen vermeintlich Selbstverständliches nicht selbstverständlich ist.    

Im offenen Austausch wurde auch das Tätigkeitsfeld für Philip Möhle gefunden. „Er hatte eine recht konkrete Vorstellung über seinen Ausbildungswunsch“, erinnert sich Holger von der Emde. Zur Wahl standen die Entwicklungsabteilung und eine Ausbildung im Bereich IT. In beiden Bereichen hospitierte Philip Möhle während eines kurzen Kennlernpraktikums und entschied sich für die Ausbildung zum ‚Technischen Produktdesigner/-in Fachrichtung Produktgestaltung und Konstruktion‘ – so die offizielle Bezeichnung.

Zu diesem Job gehört die komplette Prozesssteuerung von der ersten Idee, über die Realisierung von Entwürfen und Modellen bis zum serienreifen Produkt. Die ersten Schritte, beispielsweise die Bewertung verschiedener Lösungsvarianten, werden im Team besprochen, dafür gibt es den sogenannten ‚Kreativzirkel‘. Danach übernimmt dann ein Mitarbeiter aus dem Entwicklungsteam die Koordination, stimmt mit Musterbauern, Dekordesignern und Lackierern ab, kalkuliert und zeichnet für die maschinelle Umsetzung des Produkts. Für Philip Möhle ist es ein Traumjob. „Noch kann ich Projekte nicht ganzheitlich verantworten, bin aber vollumfänglich im Projektmanagement integriert“, beschreibt der Westfale seine Situation und Ambition bei Ornamin. Außerdem erweitert Philip Möhle den Horizont des Entwicklungsteams um seinen besonderen Blickwinkel und kann seine Ideen in die Entwicklung von Produkten für das Familiengeschirr-Eigensortiment einbringen. Nicht erst mit dem Einbau des Fahrstuhls im Verwaltungsgebäude werden sich für den engagierten Philip Möhle weitere Perspektiven bieten.

 

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Gegenseitiger Perspektivwechsel – davon profitieren alle bei Ornamin.

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