ANJA GEHLKEN VON SCHAKI E.V.

Held des Monats 



Kinder und Hirninfarkt? Das passt nicht zusammen – und dennoch trifft es jedes Jahr mehr als 300 Mädchen und Jungen. Alle 30 Stunden hat ein Kind in Deutschland einen Schlaganfall. Die meisten Schlaganfälle bei Kindern bleiben jedoch unerkannt. Für diese Kinder und ihre Familien hat die Ostwestfälin Anja Gehlken den Verein „SCHAKI e. V.“ gegründet. Sie hat selbst erlebt wie wichtig es ist mit der Diagnose nicht allein zu sein.

„Es wäre eine tolle Gabe, bei Kindern schwere Krankheiten heilen zu können.“

Unter dem Motto „Held des Monats“ stellt ORNAMIN euch jeden Monat eine Persönlichkeit vor, die aufgrund ihrer Einstellung anderen Menschen als Vorbild dient und diese ermutigt, ihr Leben trotz einer Krankheit oder eines Handicaps wertzuschätzen und diese dabei unterstützt. Unser „Held des Monats“ im September ist Anja Gehlken, die uns mit ihrem Engagement für den Verein Schaki e.V. beeindruckt.

Schaki e.V. ist eine Selbsthilfegruppe für Kinder die einen Schlaganfall erlitten haben. Eltern und Angehörige finden hier Unterstützung und Zuspruch von Gleichgesinnten.

Anja Gehlkens Tochter hat in jungen Jahren einen Schlaganfall erlitten. „[…]diese Hilflosigkeit und das Gefühl, alleine mit den Problemen zu sein“ motivierte sie dazu den Verein Schaki e.V.  zu gründen. Für uns hat Anja Gehlken Fragen beantwortet: über sich, ihr Leben und den Schlaganfall ihrer Tochter, sowie über den Verein Schaki e.V.
 

  1. Langschläfer oder Morgenmuffel?
    Ich bleibe gerne, wenn die Gelegenheit besteht, ein paar Minuten länger liegen. Ich bin kein Langschläfer, aber Stress und Hektik am Morgen muss auch nicht sein.

  2. Kaffee oder Tee? Bier oder Wein? Sekt oder Selters?
    Das lässt sich so pauschal kaum beantworten. Normal Tee – aber bei einem „müden Morgen“ auch gerne mal Kaffee. Bier generell nein (höchstens ein Alster) – ein lieblicher Wein ist da eher willkommen. Sekt bei Feiern – gerne. Im Alltag lieber Selters 😊.

 

  1. Lieblingsbuch/-film/lied?
    Da gibt es viele – wir haben sowohl eine große Bücher- als auch eine große DVD- und Musik-Sammlung. Ich lese eigentlich alles – egal ob es spannend oder „fürs Herz“ ist – und bei den DVDs bin ich immer für nette Komödien zu haben. Musik muss gute Laune machen, da ist mir alles recht.

  2. Welches war der bisher schönste Tag in Deinem Leben?
    Da gab es viele – schwer, da etwas hervorzuheben. Unsere Hochzeit, die Geburt unserer beiden Kinder, die Ehrung mit der GOLDENEN BILD der FRAU 2017 – es gab viele schöne Tage.

  3. Deine Tochter hatte als Kind einen Schlaganfall. Wie und wann hat man Euch diese Diagnose mitgeteilt?
    Vermutet, dass bei Isabel was nicht stimmt, haben wir früh. Doch obwohl sie um die Geburt herum den Schlaganfall hatte, wurden erste Merkmale erst mit knapp 3 Jahren erkannt und die endgültige Bestätigung der Diagnose                      „Schlaganfall“ kam erst im Alter von 11 Jahren.

 

  1. Wie hat die Diagnose Euer Leben verändert?
    Zuerst war die Diagnose ein Schock, denn wir wussten vorher ja auch nicht, dass auch Kinder einen Schlaganfall bekommen können. Doch dann waren wir froh, dass das Kind „einen Namen hatte“ und wir offen mit der Thematik umgehen konnten. Und es war auch indirekt der Startschuss für SCHAKI.

  2. Wann und warum hast Du die Selbsthilfegruppe Schaki e.V. gegründet?
    Gegründet wurde SCHAKI als Selbsthilfegruppe von Arnold und Edeltraud Ackermann aus Schloß Holte-Stukenbrock bereits im Jahr 2005. Ich selbst bin 2008 auf die Gruppe aufmerksam geworden und habe 2012 die Leitung mit übernommen. Ende 2014 haben wir dann für die Selbsthilfegruppe einen Verein gegründet, deren 1. Vorsitzende ich seitdem bin. SCHAKI ist für mich mittlerweile zur Lebensaufgabe geworden und über 110 Familien, die aktuell Mitglied in unserem Verein sind, zeigen, wie wichtig der Verein für das Thema Schlaganfall-Kinder geworden ist. Ich selbst habe, als Isabel klein war, händeringend nach Austausch und Hilfe gesucht – und keine gefunden. Und diese Hilflosigkeit und das Gefühl, alleine mit den Problemen zu sein, möchte ich anderen Eltern und Familien gerne ersparen.

 

  1. Was ist Dein persönliches Rezept, um Dich wieder aufzurappeln, wenn Du einen Tiefpunkt hast und am Boden bist?
    Da gibt es kein Pauschalrezept. Mal hilft ein Telefonat mit der Familie, mal ein Glas Sekt mit einer guten Freundin. Kommt immer auf die jeweilige Situation an.

  2. Mit welchen drei Worten würden Deine Freunde Dich beschreiben?
    Engagiert, offen, unkompliziert …

  3. Wenn Du einen Wunsch frei hättest: Was würdest Du Dir wünschen?
    Dank der GOLDENEN BILD der FRAU konnte ich mit meiner Familie im Frühjahr eine Kanaren-Kreuzfahrt machen. Das war ein tolles Erlebnis und es wäre schön, das noch mal wiederholen zu können.

  4. Wenn Du Dir eine Superkraft aussuchen dürftest, welche wäre es und warum?
    Es wäre eine tolle Gabe, bei Kindern schwere Krankheiten heilen zu können. Denn gerade Kinder haben noch ihr ganzes Leben vor sich und daher tut es im Herzen weh, diese schon in jungen Jahren leiden zu sehen.

  5. Wenn Du ein Tier wärst: Welches wärst Du und warum?
    Eine Katze. Wir haben 4 davon und mitunter bin ich neidisch, wie unsere Kater „die Ruhe weg haben“ und sorglos in den Tag leben nach ihren eigenen Vorstellungen.

  6. Hast Du eine Bucket List? Welche drei Dinge möchtest Du unbedingt einmal ausprobieren?
    Nein, eine derartige Liste habe ich nicht – und brauche sie auch nicht. Langeweile gibt es bei mir schon seit vielen Jahren nicht mehr – daher ist der größte Wunsch eher ein wenig mehr Urlaub und Ruhe.

  7. Womit kann man Dir eine Freude bereiten? Was bringt Dich zum lachen?
    Ich kann mich riesig darüber freuen, wenn wir wieder Familien durch unsere SCHAKI-Aktivitäten glücklich gemacht haben. Speziell die Familien, die nicht viel Geld und auch viel Kummer im Alltag haben, sind dankbar für die Möglichkeiten, die sie mit SCHAKI nutzen können – und zeigen auch ihre Freude darüber.

 

  1. Was macht Dich wütend?
    Wenn Ärzte sich als „Götter in Weiß“ aufspielen und nur ihre eigene Meinung gelten lassen, anstatt ggf. auch einmal eine Zweitmeinung einzufordern. Sowohl bei meinen eigenen Themen Schlaganfall-Kinder und Dyspraxie als auch in vielen anderen Bereichen werden Kinder falsch eingestuft und / oder gar nicht behandelt, weil der zuständige Arzt das Krankheitsbild nicht kennt und Meinungen der Eltern und der Umgebung, die das Kind besser kennen, einfach ignoriert. Auch manche Lehrer machen mich wütend, da sie nicht bereit sind, sich auf die Handicaps von Kindern einzustellen und diese fair nach ihrem Leistungsvermögen zu bewerten.

 

  1. Auf was könntest Du in Deinem Leben auf keinen Fall verzichten?
    Handy und Tablet sind in meinen Augen heute für Kommunikation und Information leider nahezu unverzichtbar geworden. Allerdings wirklich unverzichtbar sind Familie und Freunde!

  2. Hast Du einen Lieblingsplatz/Wohlfühlort?
    Ich liebe es am Strand zu sitzen und kann stundenlang auf das Meer schauen und den Wellen lauschen.
    Da das Meer nicht direkt vor unserer Haustür ist, kann ich das leider nicht allzu oft genießen. Aber wir haben bei uns zu Hause in Rödinghausen einen wunderschönen Garten – da liege ich auch immer wieder gerne in der Sonne und lasse die Seele baumeln.

  3. Wem würdest Du gerne einmal Danke sagen?
    Da gibt es viele: Meine Familie (die mich bei nahezu allen Aktivitäten unterstützt), alle SCHAKI-Familien (die unseren Verein zu etwas Besonderem machen) und auch alle SCHAKI-Unterstützer (zu denen ja auch Ornamin gehört), die unsere Arbeit fördern.

  4. Was sind Deine Pläne für die Zukunft (Projekte/Aktivitäten/Ziele…)?
    Ich möchte erst einmal wieder komplett gesund werden. Seit vielen Monaten warte ich auf einen Operations-Termin für mein Sprunggelenk – und hoffe, dass dieser bald kommt. Kann ich dann wieder ohne Gehstützen laufen, fange ich wieder an, weitere Projekte und Aktivitäten zu planen. Denn für SCHAKI steht schon jetzt einiges in den Startlöchern – z.B. unser 3. SCHAKI-Familien-Kongress von 14. bis zum 16.09.2018 in Petershagen oder unser 1. Kraft- und Energie-Tank-Wochenende in Rödinghausen Ende Januar 2019.




Wir wünschen Anja Gehlken weiterhin viel Kraft und Erfolg beim Erreichen ihrer Ziele und bedanken uns herzlich für ihre offenen Worte.

Wir sind der Ansicht, dass man auf Ihre großartige Arbeit aufmerksam machen sollte und hoffen so, Sie und Ihren Verein damit zu unterstützen.

Die Homepage des Vereins Schaki e.V. www.schlaganfall-kinder.de bietet ein breit gefächertes Angebot an wertvollen Tipps und Infos.